Was ist Neurodivergenz? ...Und wie ist das bei Frauen?
Neurodivergenz kurz erklärt & Besonderheiten bei neurodivergenten Frauen
Vielleicht hast du dich schon oft gefragt:
„Warum ist mir alles zu laut, zu schnell, zu viel – und anderen scheinbar nicht?“
Oder: „Warum bin ich immer so müde, obwohl ich doch so viel kann?“
Wenn du dich in solchen Gedanken wiedererkennst, könnte das daran liegen, dass dein Gehirn einfach anders tickt. Und das ist weder falsch noch krank – sondern:
neurodivergent.
In diesem Artikel erfährst du:
- Was genau hinter Neurodivergenz steckt
- Warum Frauen oft anders betroffen sind
- Was Masking ist und was das damit zu tun hat
- und warum ein Spektrum bei Neurodivergenz inklusiver und nötig ist - bei ADHS, Autismus, AuDHS, Hochsensibilität und Hochbegabung.
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Neurodivergenz - was ist das eigentlich?
Neurodivergenz ist ein Begriff aus der Neurodiversitätsbewegung. Es beschreibt Menschen, deren Gehirn anders arbeitet als der Durchschnitt, deren neurologische Entwicklung oder Wahrnehmung von der sogenannten "Norm" abweicht, zum Beispiel durch:
- ADHS
- Autismus-Spektrum-Störungen (v. a. Asperger)
- AuDHS als Kombination
- Hochsensibilität (HSP)
- Hochbegabung oder außergewöhnliche Intelligenz
Wichtig: Diese Abweichungen sind keine Fehler im System – sondern Ausdruck menschlicher Vielfalt.
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Neurodivergenz ist Vielfalt
In den letzten Jahren hat sich das Verständnis von Neurodivergenz stark verändert – nicht nur gesellschaftlich, sondern auch im fachlichen Diskurs. Die neuen diagnostischen Leitlinien, etwa das ICD-11 (WHO, 2022) oder das DSM-5 (APA, 2013), gehen weg von einem rein defizitorientierten Blick und betonen: Nicht jedes "Anderssein" ist gleich behandlungsbedürftig.
Für eine Diagnose braucht es laut ICD-11 heute eine
signifikante Beeinträchtigung im Alltag und subjektives Leiden – nicht bloß Abweichung von der Norm. Das ist ein wichtiger Schritt hin zu mehr Selbstbestimmung und zur Anerkennung von neurologischer Vielfalt, denn es schafft Raum für Angebote, die
nicht pathologisieren, sondern begleiten, stärken und entlasten.
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Warum sich ADHS, Autismus, HSP & Hochbegabung oft überschneiden
Ob ADHS, Autismus, Hochsensibilität (HSP) oder Hochbegabung: All diese Begriffe beschreiben bestimmte neurologische und kognitive Besonderheiten – doch sie sind nicht immer klar voneinander abzugrenzen. Viele Merkmale überschneiden sich.
Häufige Gemeinsamkeiten:
- intensive Wahrnehmung
- schnelles Denken
- emotionale Tiefe
- Reizempfindlichkeit
- sozialer Rückzug oder Überforderung (ins besonders in Gruppen)
👉 Die Forschung spricht hier von komorbiden oder überlappenden neurokognitiven Profilen – das bedeutet, dass mehrere neurodivergente Merkmale gleichzeitig auftreten können, ohne dass eine „Hauptdiagnose“ sinnvoll oder notwendig wäre.
Besonders bei Frauen zeigt sich diese Überschneidung besonders deutlich und häufig:
Eine Frau mit AD(H)S kann gleichzeitig hochsensibel und hochintelligent sein – oder Merkmale aus dem autistischen Spektrum aufweisen – oft auch ohne Diagnose. Das liegt auch daran, dass diagnostische Kategorien häufig zu eng sind – und nicht die komplexe Realität vieler Betroffener abbilden.
Und genau hier liegt das Problem: Wer zu stark in diagnostischen Schubladen denkt, läuft Gefahr, Menschen mit komplexen neurokognitiven Profilen zu übersehen oder zu pathologisieren. Daher ist es wichtig, den Menschen ganzheitlich zu betrachten – mit allem, was ihn oder sie ausmacht.
Und statt auf Labels zu bestehen, sollten wir fragen:
👉
Was brauchst du, um dich wohlzufühlen, klarzukommen, gesund zu bleiben?
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Warum gerade Frauen oft übersehen werden
Frauen im ND-Spektrum werden oft spät oder gar nicht diagnostiziert.
Warum?
🔸 Sie zeigen ihre „Andersartigkeit“ oft nicht laut – sondern
still und angepasst.
🔸 Sie haben gelernt, zu funktionieren, mitzumachen, durchzuhalten.
🔸 Sie übernehmen Verantwortung, sind sensibel, reflektiert – aber im Inneren oft
erschöpft, überfordert, am Limit.
Das sogenannte Masking – also das bewusste oder unbewusste Verbergen neurodivergenter Merkmale – ist bei Frauen besonders häufig. Es schützt kurzfristig vor Ablehnung, kostet aber langfristig Energie.
🔍 Studien zeigen: Frauen internalisieren häufiger. Das heißt, statt impulsiv zu sein, neigen sie zu Selbstzweifeln, Ängsten, Überanpassung und psychosomatischen Symptomen. Viele versuchen über Jahre hinweg, ihre Unterschiede zu „kompensieren“, was häufig in chronischer Erschöpfung oder Burnout mündet.
👉 Neurobiologisch sind diese Unterschiede ebenfalls relevant: Hormonelle Faktoren, wie etwa der Einfluss von Östrogen auf Dopaminhaushalt und Reizverarbeitung, scheinen neurodivergente Wahrnehmung bei Frauen anders zu modulieren, was erklärt u. a., warum AD(H)S bei Frauen anders aussieht als bei Männern.
Das bedeutet:
🔸 Frauen mit Autismus oder AD(H)S zeigen oft keine „typischen“ Symptome
🔸 Ihre Herausforderungen werden häufiger übersehen oder fehldiagnostiziert
🔸 Ihre Selbstwahrnehmung ist oft von Scham, Unsicherheit und Erschöpfung geprägt
Deshalb ist es so wichtig, geschlechtsspezifisch – und intersektional – zu denken, wenn es um die Wahrnehmung und Begleitung neurodivergenter Menschen, ins besonders von Frauen, geht.
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Masking – Wenn Anpassung krank macht
Warum neurodivergente Frauen oft zu gut funktionieren – und daran zerbrechen
Das Gefühl, sich ständig zusammenreißen zu müssen. So zu tun, als wäre alles okay – obwohl in einem das Gegenteil tobt. Still zu bleiben, wenn alles in dir laut ist. Zu lächeln, obwohl du innerlich erschöpft bist. Willkommen im Alltag vieler neurodivergenter Frauen.
Der Begriff Masking beschreibt genau dieses Phänomen: das bewusste oder unbewusste Verbergen neurodivergenter Merkmale, um in einer „neurotypischen“ Welt nicht aufzufallen. Besonders Frauen sind betroffen – oft, weil von ihnen subtil (oder ganz offen) erwartet wird, sich sozial anzupassen, freundlich zu sein, empathisch, unauffällig.
Masking beschreibt genau das: sich so verhalten, wie es erwartet wird – nicht wie man sich fühlt.
Neurodivergente Merkmale – wie z. B. Reizempfindlichkeit, direkte Kommunikation, intensive Interessen oder emotionale Tiefe – werden oft als „zu viel“, „komisch“, „seltsam“, „unhöflich“ oder „anstrengend“ bewertet. Um dazuzugehören, wird gelernt sich zu verstecken. Früh, gründlich und dauerhaft. Viele neurodivergente Frauen passen sich über Jahre an – und verlieren sich dabei selbst.
Typische Masking-Strategien:
- So tun, als ob man sich wohlfühlt – obwohl alles zu viel ist
- Smalltalk führen – trotz innerer Reizüberflutung
- Bedürfnisse unterdrücken – um „nicht anstrengend“ zu wirken
- Soziale Rollen perfekt erfüllen – und danach stundenlang ausgelaugt sein
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Doch diese Maske hat ihren Preis
Masking kann auf Dauer krank machen. Betroffene berichten von:
- Burnout
- Angststörungen
- Depressionen
- Psychosomatische Störungen
- Identitätsverlust
- Autistic Burnout bzw. AD(H)S-Erschöpfung
👉 Viele Betroffene berichten, dass sie sich „wie im falschen Leben“ fühlen – funktionierend, aber innerlich leer.
Viele Betroffene wissen lange nicht, was eigentlich mit ihnen los ist – sie spüren nur, dass sie „nicht mehr können“. Aber nach außen wirken sie oft noch perfekt funktionierend.
Es ist nicht das „Anderssein“, das krank macht – sondern der Druck, es ständig verbergen und sich anpassen zu müssen!
Dabei geht oft das verloren, was eigentlich am meisten gebraucht wird: das eigene authentische Selbst. Wer sich über Jahre maskiert, verliert das Gefühl dafür, was echt ist, was gespielt – und wer man eigentlich ohne all das wäre.
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Fazit: Was brauchen neurodivergente Frauen?
🎭 Was wir brauchen: Räume ohne Maske
Es braucht sichere Räume, in denen neurodivergente Frauen sie selbst sein dürfen. Ohne Bewertung, ohne Druck, ohne Anpassungszwang. Masking ist kein persönliches Versagen – es ist eine Überlebensstrategie in einer Umgebung, die oft nicht passt. Der erste Schritt raus? Ist nicht „mehr funktionieren“. Sondern sich selbst wieder spüren dürfen.
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Mehr Verständnis statt Bewertung
Viele fühlen sich „zu viel“ oder „zu empfindlich“. Dabei sind sie oft besonders feinfühlig, reflektiert und verantwortungsbewusst – doch genau das macht sie auch anfälliger für chronischen Stress. Ein sicherer Raum, in dem sie sich zeigen dürfen, ohne sich rechtfertigen zu müssen, ist essenziell.
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Gesundheit nicht trotz, sondern mit Neurodivergenz
Gesundheitspsychologie kann hier viel bewirken: Sie schaut nicht auf „Störungen“, sondern auf Bedingungen, unter denen Menschen gesund bleiben oder es wieder werden können – auch mit einer ND-Diagnose oder ohne. Sie zielt auf Selbstfürsorge, Selbstwirksamkeit und die Stärkung von Ressourcen ab.
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Alltagsnahe Prävention
Wichtig sind Angebote, die sich am Leben orientieren – nicht an einem Idealbild. Wie kann Stress wirklich reduziert werden? Wie gelingt Reizregulation im ND Alltag? Welche Wege zur Selbstfürsorge funktionieren wirklich, im echten Leben? Diese Fragen stehen im Zentrum gesundheitspsychologischer Arbeit.
Für viele Frauen, die sich im neurodivergenten Spektrum wiederfinden, bedeutet das: Sie brauchen oftmals strukturelle, alltagstaugliche Methoden und Tools. Etwa durch psychologische online Angebote – abgestimmt auf ihre Stärken, Reizempfindlichkeiten und inneren Kämpfe.
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💜 Mein Angebot – alltagsnah, professionell, wertschätzend
Ich arbeite seit vielen Jahren mit dem Schwerpunkt Gesundheitspsychologie – und bringe selbst neurodivergente Erfahrungen mit. Deshalb weiß ich, wie es ist, wenn man zu viel wahrnimmt, zu viel denkt – und trotzdem bemüht ist zu funktionieren.
In meinen Angeboten kombiniere ich fundiertes Wissen mit empathischer Begleitung – so, dass du dich nicht verbiegen musst. Sondern lernen kannst, dich liebevoll zu regulieren und dir selbst näherzukommen.
Du findest bei mir:
- Resilienz Live-Online 10-Wochen-Kurs – ZPP zertifiziert
- On-Demand Selbstlern-Workshops & -Kurse (aktuell
Achtsamkeit im Aufbau)
🌿 Das Ziel:
Gesundheit gestalten, ohne dich verbiegen zu müssen - auf deine ART.
Denn du darfst so sein, wie du bist – und deinen eigenen Weg gehen.
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📣 Was denkst du?
Wenn du dich in diesen Zeilen wiederfindest, Fragen hast oder einfach nur neugierig bist – schreib mir gerne. Ich freue mich auf den Austausch mit dir.
Folg mir gern auf Instagram, wenn du dir psychologische Impulse rund um Achtsamkeit, Resilienz und kreative Methoden für mehr Wohlbefinden in deinem neurodivergenten Alltag wünschst.
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Danke, dass du dir Zeit für dich genommen hast – und für deine Gesundheit.
Deine
Sina Dorit 💜
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📖 Literatur & Quellen:
- American Psychiatric Association. (2013). Diagnostic and statistical manual of mental disorders (5th ed.). https://doi.org/10.1176/appi.books.9780890425596
- Aron, E. N. (2012). The Highly Sensitive Person. Kensington Publishing.
- Attwood, T. (2019). The complete guide to Asperger’s syndrome. Jessica Kingsley Publishers.
- Happé, F., Ronald, A., & Plomin, R. (2006). Time to give up on a single explanation for autism. Nature Neuroscience, 9(10), 1218–1220. https://doi.org/10.1038/nn1770
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- Lai, M. C., & Baron-Cohen, S. (2015). Identifying the lost generation of adults with autism spectrum conditions. The Lancet Psychiatry, 2(11), 1013–1027. https://doi.org/10.1016/S2215-0366(15)00277-1
- Quinn, P. O., & Madhoo, M. (2014). A Review of Attention-Deficit/Hyperactivity Disorder in Women and Girls: Uncovering This Hidden Diagnosis. The Primary Care Companion for CNS Disorders, 16(3). https://doi.org/10.4088/PCC.13r01596
- Raymaker, D. M., Teo, A. R., Steckler, N. A., et al. (2020). “Having All of Your Internal Resources Exhausted Beyond Measure and Being Left with No Clean-Up Crew”: Defining Autistic Burnout. Autism in Adulthood, 2(2), 132–143. https://doi.org/10.1089/aut.2019.0079
- Schwarzer, R. (2004). Psychologie des Gesundheitsverhaltens: Einführung in die Gesundheitspsychologie. Hogrefe Verlag GmbH & Company KG.
- Wirtz, M. A., Kohlmann, C., & Salewski, C. (Eds.). (2018). Psychologie in der Gesundheitsförderung. Hogrefe AG.
- World Health Organization. (2022). ICD-11: International classification of diseases 11th revision. https://icd.who.int/
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BMC psychiatry,
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https://doi.org/10.1186/s12888-020-02707-9







